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Kindern ein Vorbild sein: Worauf Eltern und Erzieher:innen achten müssen

Kinder sind wie Schwämme, die ständig Informationen und Verhaltensweisen aus ihrer Umgebung aufsaugen. Wie oft erleben wir es, dass wir einen Satz völlig nebenbei aussprechen und die Kids sich ausgerechnet diesen ganz genau merken und in verschiedenen passenden und auch unpassenden Situationen reproduzieren. Da hilft vor allem eins: Augen auf bei der Wortwahl. In dieser Hinsicht spielen wir Eltern und Erzieher:innen eine entscheidende Rolle, denn wir fungieren als die ersten und wichtigsten Vorbilder für Kinder. Doch was bedeutet es eigentlich, ein Vorbild zu sein, und was sollte dabei alles beachtet werden? Lass uns einen genaueren Blick darauf werfen. 
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1. Was ist ein Vorbild? 

Winfried Böhm und Sabine Seichtner beschreiben den Begriff im Wörterbuch der Pädagogik wie folgt: „Zum Vorbild wird eine Person, deren konkreter Lebensvollzug so sehr überzeugt, dass jener sein eigenes Handeln und Leben freiwillig daran orientiert und ihm nachzufolgen strebt. Dieses Nacheifern meint nicht ein kritikloses Nachahmen oder eine unreflektierte Identifikation, und der Erzieher kann sich auch nicht selbst als Vorbild setzen, ohne damit das Wesen des Vorbildes zu zerstören“.

2. Wie lernen Kinder von Vorbildern? 

Die Förderung der Fantasie und Kreativität von Kindern ist von unschätzbarem Wert für ihre ganzheitliche Entwicklung. Kinder ahmen Verhaltensweisen nach. Das bedeutet wir müssen ihnen die Dinge, die wir ihnen vermitteln wollen, auch vorleben. Hängen wir beispielsweise dauerhaft vor dem Handy oder TV und nehmen nie ein Buch zur Hand, ernähren uns schlecht oder rauchen vor den Kindern, so werden sie dieses Verhaltenen als Normalität erleben und womöglich später übernehmen. Taten sind wichtiger als Worte!

Die Psychologin Michelle van Dellen zeigt dies beispielsweise in ihrem Karotten-Keks-Experiment. Hier hatten Freiwillige die Wahl zwischen einem Keks und einer Karotte. Das überraschende Ergebnis: Wenn der Vordermann sich für die Karotte entschied, entschied sich der Rest meist auch für die gesunde Option. 

Lernen am Modell (Bandura) 

Die Kernaussage von Banduras sozial kognitiver Lerntheorie ist, dass Menschen dadurch lernen, dass sie sich Dinge bei anderen Menschen abschauen. Die Theorie stütz sich unter anderem auf sein bekanntes Bobo-Doll-Experiment. Ergebnisse: Kinder neigen dazu, das aggressive Verhalten von Erwachsenen nachzuahmen. Diese Nachahmung umfasst sowohl ähnliche, aber auch andere Formen der Aggression. Interessanterweise zeigt sich, dass Kinder, die gleichgeschlechtliche, verbal aggressive Erwachsene beobachten, eher dazu neigen, dieses Verhalten zu imitieren, unabhängig vom Geschlecht des Kindes. 

Lernvorgänge sind demnach als Beobachtung und Nachahmung des Verhaltens von menschlichen Vorbildern zu verstehen. Die Modelle, an denen sich die Kinder orientieren sind meist Eltern, Geschwister sowie der oder die Lieblingserzieher:in. Es gibt allerdings auch andere Vorbilder für Kinder wie beispielsweise eine Figur aus einer Serie oder der Lieblingsfußballspieler. Die Verhaltensweisen dieser Figuren können wir natürlich nicht beeinflussen. Nur unser Verhalten haben wir selbst in der Hand und das gibt uns die Möglichkeit den Lernvorgang der Kinder zu prägen. 

3. Welche Rolle spielen Vorbilder in der Entwicklung? 

Wenn Kinder das dritte Lebensjahr erreichen, beginnen sie bereits Kompetenzen zu entwickeln, die das menschliche Handeln und Denken steuern. Beispielsweise relevante Dinge zu erkennen und im Kopf zu behalten, sich auf eine Sache zu konzentrieren oder auch sich Ziele zu setzen (z.B. „wir bauen eine Sandburg mit fünf Türmen“), Verzicht zu üben und Nein“ zu sagen. Unterstützen wir die Kinder darin durch konsequentes Anleiten, bildet sich daraus die Basis für eine gesunde Entwicklung der Selbstkontrolle. Langfristig führt dies zur Stärkung des Selbstvertrauens, der Motivation und zur Loyalität zu den Bezugspersonen. Ähnliches zeigt auch eine Studie zur Motivationstheorie von Thekla Morgenroth (2015). Diese besagt, dass Vorbilder die charakterliche Entwicklung hinsichtlich Selbstvertrauen und beruflicher Ambitionen prägen können. Zudem können Vorbilder uns dazu ermutigen, Hindernisse zu überwinden und trotz suboptimaler Bedingungen erfolgreich zu sein. 

„Unter dem Einfluss der Beziehungserfahrungen, die Kinder und Jugendliche in ihrem [...] sozialen Umfeld machen, verändert ihr Gehirn seine Strukturen. Umwelteinflüsse spielen für die neurobiologische und psychische Entwicklung von Kindern eine quantitativ weit bedeutendere Rolle als Effekte von genetischen Varianten“. Dieser Satz von Bruner (2017) verdeutlicht die Relevanz von Vorbildern, welche als Umwelteinflüsse verstanden werden können.  

4. Was macht ein gutes Vorbild aus? 

Als Eltern und Erzieher:innen sind wir nicht nur für die Betreuung und Erziehung der Kinder verantwortlich, sondern auch dafür, ihnen ein Beispiel zu geben, dem sie folgen können. Ein Vorbild zu sein bedeutet, authentisch zu sein und Werte zu verkörpern, die wir den Kindern vermitteln möchten. Es bedeutet, Respekt, Empathie, Ehrlichkeit und Freundlichkeit in alltäglichen Handlungen und Interaktionen zu vorzuleben. 

Dies bedeutet nicht, dass wir perfekt sein müssen. Im Gegenteil, es ist wichtig, Kindern zu zeigen, dass Fehler normal sind und dass es darum geht, aus ihnen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. 

Frau macht mit Kind Yoga Vorbild lernen

Eine Studie der Psycholog:innen Lauren C. Howe und Benoit Minin zeigt sogar, dass es eher kontraproduktiv wirkt, wenn Vorbilder allzu fehlerfrei rüberkommen. Wenn Ärzt:innen – entsprechend ihrer Vorbildfunktion – ihre eigene Fitness überbetonen, verschrecken sie auf diese Weise ihre Patient:innen, vor allem jene mit Übergewicht. Diese befürchten dann geringe Wertschätzung. Wir fühlen uns Vorbildern also näher, wenn sie auch über Schwächen und Probleme sprechen. Gerade in einer Welt voller Krisen können uns solche Vorbilder Orientierung und Sicherheit schenken, sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. 

Hirnforscher und Neurologe Dr. Gerald Hüther und seine Gedanken zu Einsteins Zitat zu Vorbildern: Es gibt keine andere vernünftige Erziehung als Vorbild sein, wenn's nicht anders geht, ein abschreckendes!

5. Wie können wir Kinder in verschiedenen Altersgruppen inspirieren? 

Die Art und Weise, wie Kinder beeinflusst werden können, hängt oft von ihrem Alter und Entwicklungsstand ab. Hier sind einige Möglichkeiten, wie wir Kinder in verschiedenen Altersgruppen inspirieren können: 

Kleinkinder (0-3 Jahre)

Kommunikation: Auch wenn Kleinkinder möglicherweise noch nicht viele Wörter kennen, verstehen sie oft die Stimmung und Emotionen ihrer Bezugspersonen. Daher ist eine liebevolle und einfühlsame Kommunikation sowie aktives Zuhören entscheidend. Erfahre mehr zum Thema Aktives Zuhören in unserem Magazinbeitrag. 

Spielerisches Lernen: Kleinkinder lernen ausschließlich durch Beobachtung und Nachahmung. Daher ist es wichtig, spielerische Aktivitäten zu nutzen, um positive Verhaltensweisen vorzuleben. 

Kindergarten- und Vorschulkinder (3-6 Jahre)

Storytelling: Neben den vorgelebten Werten können auch Geschichten eine kraftvolle Möglichkeit sein, Werte und moralische Lektionen zu vermitteln. Wir können Geschichten auswählen, die positive Charaktereigenschaften betonen und Kinder dazu ermutigen, sich mit ihnen zu identifizieren. 

Gemeinsame Aktivitäten: Durch gemeinsame Aktivitäten wie Basteln, Kochen oder Gartenarbeit können wir nicht nur Zeit mit Kindern verbringen, sondern auch praktische Fähigkeiten und Werte vermitteln. 

6. Tipps für Eltern und Erzieher:innen

Als pädagogische Fachkraft oder Elternteil bist du immer ein Vorbild für Kinder. Insbesondere dein Sprachverhalten und deine Werte im Kitaalltag und zuhause sind dabei entscheidend. Es ist, wie wir gelernt haben, jedoch nicht notwendig, dass du immer perfekt bist; authentisch zu sein und echte Gefühle zu zeigen ist viel wirksamer. Kinder übernehmen nicht jedes Verhalten oder jede Einstellung, und der Umgang mit Fehlern kann auch von dir als Vorbild gelernt werden. 

  • Sei geduldig: Veränderungen brauchen Zeit, und es ist wichtig, geduldig zu sein, während Kinder Werte und Verhaltensweisen internalisieren. 

  • Sei ein Team: Eltern und Erzieher:innen sollten zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen, um einheitliche Botschaften zu vermitteln, um die Kinder bestmöglich zu unterstützen. 

  • Reflektiere dein eigenes Verhalten: Es ist wichtig, regelmäßig zu reflektieren und zu überprüfen, ob das eigene Verhalten den Werten entspricht, die wir den Kindern vermitteln möchten. 

Insgesamt ist es eine gemeinsame Verantwortung von uns Eltern und Erzieher:innen, Kinder zu inspirieren und zu unterstützen, positive Werte und Verhaltensweisen zu entwickeln. Indem wir ein vorbildhaftes Verhalten zeigen, offene Kommunikation fördern und die individuellen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen, können wir einen entscheidenden Beitrag zur positiven Entwicklung der nächsten Generation leisten. 

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