Dialogische Bilderbuchbetrachtung - Was ist das eigentlich?

Im Zentrum des Dialogischen Buchbetrachtens steht die aktive Kommunikation zwischen dem vorlesenden Erwachsenen und den Kindern.  

Im Gegensatz zum klassischen Buchvorlesen, bei dem der Erwachsene gleichbleibend vorliest, die Kinder zuhören und eher passiv bleiben, es keine Interaktionen zwischen Vorleser und Kindern gibt sowie Beiträge der Kinder eher unerwünscht sind, steht beim Dialogischen Buchbetrachten genau dieser Dialog mit den Kindern im Zentrum des Interesses. Der Erwachsene nimmt das Buch sozusagen als Vorlage, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Er stellt offene Fragen zu den Bildern, greift die Beiträge der Kinder auf, formuliert sie um, ergänzt sie, stellt einen Bezug zum Alltag her und gibt Impulse. Alle Beteiligten befinden sich in einem ständigen Austausch und das Kind erlebt sich durch seine Beiträge als aktiver, wertgeschätzter Gesprächspartner. Im Vordergrund stehen der gemeinsame Spaß und positive Erfahrungen mit Sprache und Büchern. Ganz nebenbei werden die Sprach- und Sprechfähigkeiten der beteiligten Kinder gefördert.

Obwohl das Dialogische Buchbetrachten ursprünglich für Kinder mit einem sprachlichen Rückstand konzipiert wurde, ist es für alle Kinder geeignet, um Spaß an Büchern und Geschichten zu bekommen. Insbesondere für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, ist Dialogisches Buchbetrachten sehr wirksam. Durch das Wiederholen und Erweitern der kindlichen Äußerungen festigen sich neue Wörter, die Sprache wird in ihrem Kontext und mit ihren grammatikalischen Strukturen gelernt. Zudem erleichtert die Verknüpfung von gehörter und gesprochener Sprache und Bildern den Erwerb der neuen Sprache. Ein weiterer sehr wichtiger Gesichtspunkt des dialogischen Lesens ist aber auch der Aufbau einer positiven Beziehung, die durch Wertschätzung und Ermutigung geprägt und für die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und Selbstbewusstseins der Kinder sehr wichtig ist. Wissenschaftliche Studien zum dialogischen Lesen zeigen durchwegs einen positiven Effekt auf die Sprachentwicklung aller Kinder.  

Grundsätzlich eignen sich alle Bücher dazu, sie dialogisch vorzulesen. Wichtig ist lediglich, dass die Kinder Interesse und Spaß an dem Buch haben. Für diejenigen, die Ideen suchen, hier drei schöne Buchbeispiele, die bereits für das Krippenalter passen: 

Peggy Rathmann: Gute Nacht Gorilla!, Moritz 2016  

Der freche Gorilla stibitzt dem Zoowärter den Schlüssel, so dass die Zootiere ihrem Wärter bis ins Schlafzimmer folgen können. Eine tolle Geschichte, die Gespräche über Tiere, den Zoo oder das Schlafengehen anregen kann. 

Guido van Genechten: Sind wir bald da?, Annette Betz 2016 

Frosch und Igel erleben gemeinsam eine abwechslungsreiche Reise. Dieses Buch macht Lust darauf, mit den Kindern über ihre eigenen Reisen und Erfahrungen zu sprechen. Wo seid ihr schon hingefahren? Wie war es dort? 

Axel Scheffler: Der Fuchs sucht seine Socken, Beltz & Gelberg 2017 

Das Problem des Fuchses kennen alle Kinder. Wo sind bloß die Socken hingekommen? Gemeinsam mit den Tieren in diesem Pappbilderbuch gelingt die Suche sicher! Die kleinen Klappen im Buch machen daraus ein handlungsorientiertes Suchspiel.

Und wer wissen will, wie das Ganze in der Kitapraxis oder auch zuhause ablaufen kann, kann sich gerne folgendes Video vom Institut für Frühpädagogik (IFP) anschauen, in dem gezeigt und erklärt wird, worauf beim Dialogischen Buchbetrachten zu achten ist