Sprachentwicklung trotz Maske

Der Mund- und Nasenschutz, umgangssprachlich die Maske, ist zu einer wichtigen Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus geworden. Um in unseren Kitas das Infektionsrisiko zu minimieren, wird sie von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kontakt mit den Kindern getragen. Unser pädagogisches Personal hat sich intensiv damit beschäftigt, welchen Einfluss Masken auf die Sprachentwicklung der Kinder haben. Im Folgenden geben wir Eltern ein paar Tipps und Spielvorschläge an die Hand, um die Sprachentwicklung zu Hause gezielt und kindgerecht zu fördern.

Die Gesichtsmaske deckt ein wichtiges Sprachorgan komplett ab: den Mund. Alle an der Sprachbildung maßgeblich beteiligten Hauptwerkzeuge der Artikulation und Lautproduktion – Lippen, Zunge, Kiefer und Zähne – sind für die Kinder nicht mehr sichtbar. Normalerweise erhalten Kinder nicht nur über das Hören, sondern auch über das aufmerksame Beobachten ihres Gegenübers zusätzliche Informationen über die Lautbildung. Wird beispielsweise das „M” gesprochen, sehen Kinder das gewöhnlich am Mundschluss der Lippen. Die Lippen liegen aufeinander. Beim „O” kommt es zu einer Öffnung und Rundung der Lippen. Doch nicht nur die Laute selbst werden über den Mund verstärkt: Die Mundpartie transportiert als Teil der gesamten Mimik ebenso Emotionen. Erstaunen, Freude oder Wut werden auch über Mundbewegungen und die umliegende Mundpartie vermittelt.

Die gute Nachricht: Zuhause müssen Eltern und nahe Kontaktpersonen keine Masken tragen. Sie haben so die Möglichkeit, die Sprachentwicklung mit unseren Ratschlägen und Spielideen zu unterstützen.

 

Empfehlungen für Eltern

Mehr denn je empfehlen wir Eltern in dieser für uns alle herausfordernden Zeit, in den eigenen vier Wänden ganz bewusst auf den Blickkontakt mit ihren Kindern zu achten. Bei alltäglichen Gewohnheiten, wie beim Wickeln oder dem Umziehen und im Spiel, ist es nun besonders sinnvoll, dass die Kleinen das Gesicht, die Mimik und die Gestik der Erwachsenen gut sehen und wahrnehmen können. So haben sie die Möglichkeit, die Mund- und Lippenmotorik genau zu beobachten und nachzuahmen. Es hilft Kindern, wenn ein Elternteil bei gemeinsamen Aktivitäten, zum Beispiel den Mahlzeiten, beim Singen oder einem Brettspiel, gegenübersitzt, damit freie Sicht auf die Mundpartie herrscht. 

Mit dem etwas älteren Nachwuchs können Eltern sogar ganz gezielt durch einfache Spiele die Aufmerksamkeit auf den Mund und das Gesicht lenken und so spielerisch die Mundmotorik schulen.

 Sprachentwicklung trotz Maske

Sprachentwicklungs-Spiele für Kinder von 1 bis 3 Jahren

  • Mund-Fußball: Hierfür werden Wattebällchen mit gespitzten Lippen oder mit Hilfe eines Strohhalms in ein Tor (z.B. aus Bauklötzen oder Wasserflaschen) gepustet. Wir empfehlen eine Entfernung von ca. 50 cm zwischen Bällchen und Tor.
  • Pusteblume: Sobald der Löwenzahn verblüht ist, bieten Pusteblumen im Park oder am Straßenrand eine tolle Gelegenheit, das Pusten und die Lippenmuskulatur spielerisch zu trainieren. Um die Wartezeit zu überbrücken, eignen sich auch Seifenblasen und Luftballons hervorragend für Puste-Übungen.
  • Wett-Schmatzen: Ausnahmsweise dürfen bei diesem Spiel mal alle guten Tischmanieren vergessen werden. Beim Um-die-Wette-Schmatzen wird die Muskulatur rund um den Mund beansprucht und trainiert.
  • Faxen machen: Auch beim gemeinsamen Schneiden von Grimassen und in kleinen Wettbewerben rund um die Mundpartie wird die Muskulatur trainiert. Finden Sie heraus: Wer kommt mit der Zunge an die Nase? Wer kann seine Zunge rollen? Wer kann seine Lippen lustig spitzen?

 

Sprachentwicklungs-Spiele für Kinder von 3 bis 6 Jahren

  • Torschuss: Hier wird ein Strohhalm zum Blasrohr umfunktioniert. Mit dem Blasrohr werden Wattestäbchen, die normalerweise zum Ohrenputzen gedacht sind, in ein Tor gepustet.
  • Kussmund: Die Kinderlippen werden mit Kinderschminke angemalt, um lustige Kussmünder auf Papier abzudrücken.
  • Essen ohne Hände: Bei diesem Spiel werden Gummibärchen oder andere mundgerechte Snacks freihändig, nur mit Hilfe der Lippen, gegessen. Das schmeckt nicht nur lecker, sondern beansprucht die Lippenmuskulatur noch einmal ganz anders.
  • Emotionen raten: Alle Spielteilnehmer schneiden der Reihe nach Grimmassen. Wer errät als Erstes, wie sich sein Gegenüber fühlt? Wer kann eine Emotion besonders theatralisch vermitteln?

Mit diesen Sprachförderungs-Spielen werden hoffentlich neben der Gesichts- und Mundmuskulatur auch etwas die Lachmuskeln trainiert. Wir wünschen Ihnen viel Spaß in dieser ungewöhnlichen Zeit.

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